Leseprobe aus „Knoten im Seil“

Bilder und Geschichten aus der magischen Welt

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„Frieden ist ein Tuch, gesponnen aus klebrigen Fäden“, sagte M., während er über der Wüste balancierte. Das Seil unter seinen Füßen spannte sich bei seinen Worten ein wenig straffer. „Du hängst es hoch aus dem Fenster und was passiert? Es fängt die Fliegen ein.“ Der Baum, an dessen abgestorbenem Arm das Tau befestigt war, ächzte, und die Fabrik in seinen Eingeweiden ließ ihre Räder ein wenig schneller drehen. Heiße Luft kroch über den Boden, hüllte die Schlafenden in ihren Häusern in wohlige Träume.

„Es muss nur lange genug halten“, antwortete die Spinne vom Turm herüber und begann emsig die Löcher im Netz auszubessern, das schwarze Festmahl vor Augen. In der Mauerspalte verschmolz der Gecko mit der Wand und leckte sich die Lippen. Der frühe Morgen goss sein rostiges Licht über das Land, die Maschinen liefen zu Hochtouren auf. Als der Strick riss, bliesen Fanfaren zum Sturm.

 

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